Das Geräusch der hölzernen Hyoshigi kannte in den 1920er Jahren in Japan fast jedes Kind, denn die Klangblöcke kündigten den Beginn des kami-shibai – des Papiertheaters - an. Mehrere tausend Geschichtenerzähler fuhren zu dieser Zeit mit dem Fahrrad durch die Straßen zu ihrem Publikum. In einem auf dem Gepäckträger montierten Rahmen waren meist 8-12 Bildtafeln eingeschoben, die seitlich nacheinander herausgezogen werden konnten. Dazu trug der Sprecher populäre Fabeln, Märchen, aber auch Abenteuer- und Heldenge-schichten vor. Die Vorführungen waren kosten-los, den Lebensunterhalt verdienten sich die Geschichtenerzähler mit dem Verkauf von Süßig-keiten während der Veranstaltungen.
Das kamishibai, inzwischen um weitere Genre wie Krimis und westliche Actionfiguren ergänzt, war bis in die 1950er Jahre in Japan sehr beliebt, bevor Kino und TV das Papiertheater langsam verdrängten. Dank seiner Vielseitigkeit ist das kamishibai jedoch nie vollständig verschwunden, sondern wird immer noch im Vorschulbereich verwendet. In japanischen Büchereien sind heute sogar tragbare kamishibai-Bühnen auszuleihen.
(Anm.: Wir bedanken uns herzlich bei Frau Dr. Kuhlmann für Ihre freundliche Unterstützung und Ihre wunderbaren kamishibai-Veranstaltungen).
... Go?
Go ist mit seiner über 4000-jährigen Geschichte das vermutlich älteste Brettspiel der Welt. In Japan genießt Go ein hohes Ansehen und wird dort von schätzungsweise 10,5 Mio. Spielern betrieben.
Das Regelwerk ist überraschend einfach, doch die Anzahl der möglichen Züge übersteigt dabei die Komplexität des Schachs um ein vielfaches.
Zwei Spieler setzen auf einem Brett mit 19x19 Linien abwechselnd ihre schwarzen bzw. weißen Steine auf die Schnittpunkte. Es gilt ein möglichst großes Gebiet mit den Ketten oder Gruppen der eigenen Steine zu umschließen, wobei auch gegnerische Steine geschlagen werden können.
Der Nihon Kiin in Tokyo, die weltweit größte Vereinigung professioneller Go-Spieler, informiert in seinem Museum über die Geschichte des Go, organisiert Kurse und Turniere und hält zudem ein umfangreiches Angebot an entsprechender Fachliteratur, sowie Spielsteinen und –brettern bereit.
... Haiku?
Sommergras ist alles, was blieb vom Traum des Kriegers
Die japanische Literatur hat mit dem Haiku die vermutlich weltweit kürzeste Lyrikform hervor-gebracht. Das dreizeilige Gedicht besteht aus jeweils nur fünf, sieben und noch einmal fünf Lauten, den sogenannten Moren. Dies ist eine Besonderheit der japanischen Sprache, die bei Übersetzungen häufig dazu führt einen 5-7-5-Silben-Rhythmus zu verwenden. Gemein ist allen Haiku, was so viel wie heiterer Vers bedeutet, ein Natur- und Jahreszeitenmotiv, dass in Metaphern umschrieben wird. Hervorgegangen ist das Haiku aus den seit dem achten Jahrhundert bekannten Haikai no renga und Hokku. Diese Gedichte dienten der damaligen Oberschicht zum Zeitvertreib. In geselliger Runde setze man den Vers des Vorgängers thematisch fort. Inhaltlich überwog die Wortspielerei bei diesen Scherzreimen. Erst im 16. Jahrhundert formte sich unter dem historischen Einfluß der Edo-Periode der typische Haiku-Stil. Als bis heute prominentester Haiku-Dichter gilt Matsuo Basho (1644-1694), dessen Werke, oftmals in Reisetagebüchern festgehalten und veröffentlicht, die japanische Poesie nachhaltig prägten. Vielleicht möchten Sie es nun einmal selbst ausprobieren und eigene Haiku verfassen. Die Deutsche Haiku Gesellschaft in Frankfurt a. M. ermöglicht Veröffentlichungen und veranstaltet u. a. sogar Wettbewerbe. Also nur Mut – wir wünschen Ihnen viel Erfolg!
Der alte Weiher Ein Frosch springt hinein Das Geräusch des Wassers
... karakuri ningyo?
Die Begeisterung für Roboter hat in Japan weit zurückliegende Wurzeln. Bereits während der Edo-Periode (1603-1867) wurden auf der Basis von Uhrwerken, die sogenannten "karakuri ningyo" entwickelt. "Karakuri" bedeutet soviel wie "überraschender/trickreicher Mechanismus", während "ningyo" mit "Puppe" übersetzt werden kann. Die Karakuri-Automaten wurden neben der Verwendung für das No-Theater (butari karakuri) und für religiöse Feierlich-keiten (dashi karakuri) auch zur privaten Unterhaltung (zashiki karakuri) konzipiert.
Die wohl bekanteste und zugleich technisch komplexeste karakuri ningyo dieser Art ist der "Junge mit Pfeil und Bogen" (Yumi-iri Doji), den kein geringerer als Hisashige Tanaka entwarf - der Gründer des Toshiba-Konzerns.
Der aufwendige Mechanismus erlaubt der Figur die Ausführung des vollständigen Bewegungsablaufes des Bogenschießens vom Aufnehmen der Pfeile, über das Spannen des Bogens, bis hin zum Abschießen des Pfeils und dem Nachschauen zum Ziel.